Brauchen wir eine neue Ästhetik des Alterns? Ja, denn Alter wird immer noch als Zustand und weniger als Prozess wahrgenommen. Dieser ist zwar unvermeidbar, soll aber in aller Regel sehr weit in Richtung Lebensende geschoben werden. 

Die Neugierde für die alten Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung in der Nähe meines Hamburger Ateliers wohnen, hat mich mit dieser fotografischen Arbeit  beginnen lassen.

In einem Gemeinschaftsraum, neben gestapelten Stühlen und Tischen, habe ich ein kleines „Set“ mit Hintergrund, Blitz und Kamera aufgebaut und auf die ersten, mutigen Bewohner gewartet.

Esther kam, mit Hilfe eines Rollators, schüchtern durch die Tür und nahm auf dem für Sie bereitgestellten Stuhl Platz. Sie ist stolze 102 Jahre alt. Nach anfänglichem Zögern hat Esther aber mit zunehmender Begeisterung aus ihrem Leben erzählt und sich gerne an schöne Momente erinnert.

„Durch sein aufgeschlossenes und wertschätzendes Auftreten gegenüber den Bewohnern hat Friedrun Reinhold schnell anfängliche Scheu und Unsicherheit seitens der Bewohner/innen verschwinden lassen.

Herr Reinhold hat den Bewohnern auf natürliche Art und Weise die Möglichkeit gegeben, über ihr Leben und ihr Schicksal zu sprechen.“ sagt Nina Hoyer-Seibert, die Einrichtungsleiterin, die das Projekt sofort begeistert unterstützte.

 

Die praktische Arbeit sah wenig glamourös aus: Vor meinem Nesselhintergrund stand oft ein Rollstuhl oder Rollator, da die meistern der Bewohner auf diese Hilfen angewiesen sind.

„Die Fotos zeigen mehr als deutlich, welche Charaktere und Leben sich hinter den Bildern verbergen. Einigen Bewohnern kamen die Tränen, als sie ihr Bild im Veranstaltungssaal hängen sahen – sie wirkten stolz und waren erstaunt darüber, wie ehrlich und authentisch sie dargestellt wurden.

 

Nicht nur die BewohnerInnen selbst, sondern auch Angehörige, Verwandte, Freunde und Besucher sowie die MitarbeiterInnen sind begeistert von der künstlerischen Arbeit Herrn Reinholds.“ resümiert Nina Hoyer-Seibert und sieht sich lächelnd die an der Wand hängenden Fotos an.

 

Peter Schramm, Kapitän, 68 Jahre

Meine fast 20 Jahre auf See waren die schönsten meines Lebens. 

Am liebsten stand ich an Bord meines Aufklärers und habe mir den Ostseewind um die Nase wehen lassen.


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